Synopsis

Erster Akt

AbendgeschichteEdinburgh 1862. Im Traum sieht der 24-jährige Schriftsteller Robert Louis Stevenson sich selbst als Kind. In seinem Bett hört der Junge seinem Vater zu, wie dieser eine Geschichte von Piraten zu erzählen beginnt, die 100 Jahre zuvor ein Schiff überfallen. Ihr Captain Nathaniel Flint erschießt kurz darauf auf einer Südseeinsel den Küchenjungen Ben Gunn, weil dieser beobachtet hat, wie Flint die gemeinsame Beute vergraben und alle vier Mitwisser umgebracht hat.

 

 

StreitVon einem Hustenanfall geschüttelt, erwacht Louis Stevenson in seinem Edinburgher Elternhaus. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung mit seinem Vater, der für seinen Sohn eine Anwaltskarriere plant. Doch gegen dessen Widerstand beharrt Louis darauf, Schriftsteller werden zu wollen, und reist unvermittelt nach Frankreich ab. Im französischen Fontainebleau findet er sich in einer Künstlerkolonie ein, wo er mit Malern, Literaten und deren Musen ein Leben in Freiheit und Kreativität als Idealzustand feiert. In der Pension sucht auch die Amerikanerin Fanny Osbourne mit ihrem 12-jährigen Sohn Lloyd ein Zimmer, weil sie sich in Fontainebleau der Malerei widmen will. Gegen den Widerstand der Männergesellschaft setzt Louis sich erfolgreich für ihren Verbleib ein, brüskiert damit jedoch Fanny, weil sie sich dadurch in ihrer Eigenständigkeit herabgesetzt fühlt.

 

Lloyd LouisLouis schafft es dennoch am nächsten Tag, das Vertrauen ihres Sohnes Lloyd zu gewinnen. Sie entdecken ihre gemeinsame Begeisterung für Piratengeschichten und Louis spinnt die Szene, von der er anfangs geträumt hat, zu der Geschichte von einer geheimnisvollen Schatzinsel weiter. Aber eine erneute Absage eines Buchverlages holt ihn schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Als Fanny überraschend das Zimmer betritt, gesteht er ihr im Gespräch ein, dass seine Pläne, Schriftsteller werden zu wollen, offenbar zum Scheitern verurteilt sind. Doch Fanny ermutigt ihn weiterzumachen und nimmt Lloyds Begeisterung über die begonnene Piratengeschichte zum Auslöser, Louis wieder an die Kraft der Träume glauben zu lassen.



Blind PewEr macht sich sogleich daran, das Abenteuer von der „Schatzinsel“ weiterzuschreiben und entwirft die Szene in der Hafenschenke „Zum Admiral Benbow“, die im gleichen Moment erscheint. Fanny übernimmt darin die Rolle der verwitweten Wirtin Mrs. Hawkins, Lloyd wird zu ihrem Sohn Jim, der gerade von Dr. Livesey – personifiziert von Louis – unterrichtet wird. Als dieser sich gerade verabschiedet hat, bezieht der zwielichtige Seemann Billy Bones Quartier im „Admiral Benbow“. Tage später betritt Blind Pew das Wirtshaus und es wird klar, dass es sich bei den Männern um Piraten handelt. Er streitet mit Bones um den Nachlass des verstorbenen Captain Flint, den er in dessen Besitz wähnt. Bones erleidet einen tödlichen Herzanfall und kurz darauf durchstöbert Pew mit weiteren Piraten dessen Habseligkeiten, ohne fündig zu werden. Sie werden von Dr. Livesey und dem Richter Trelawney vertrieben. In dem Tumult kommt der Blinde unter die Hufe der Pferde und stirbt ebenfalls. Das von den Piraten begehrte Objekt hatte zuvor Jim in einem unbeobachteten Moment in Besitz genommen: die legendäre Schatzkarte von Captain Flint. Der vermögende Richter Trelawney entschließt sich, eine Expedition zu der darauf verzeichneten Insel zu finanzieren, und Jim – als Besitzer der Karte – überredet seine Mutter, zusammen mit Dr. Livesey dorthin mitreisen zu dürfen.

 

SilverDie Erzählung bricht ab, als Louis – gerade noch in der Rolle von Dr. Livesey – einen schweren Hustenanfall erleidet. Mittlerweile verbinden ihn und Fanny liebevolle Gefühle füreinander und doch überredet sie ihn dazu, zu seinem vertrauten Arzt nach Edinburgh zurückzureisen. Dort wieder angekommen, stößt er erneut auf die Verständnislosigkeit seines Vaters und wird von seiner Mutter für die aufkeimende Liebesbeziehung zu einer verheirateten Mutter gerügt. Unverdrossen setzt Louis die Erzählung von der „Schatzinsel“ fort und schickt Lloyd das nächste Kapitel per Post. Dieser liest begeistert den Fortgang der Ereignisse in der englischen Hafenstadt Bristol, wo Richter Trelawney auf der Suche nach Schiff und Besatzung ist. Als Jim in einen Hinterhalt gerät, wird er von einem einbeinigen Seemann gerettet, der sich ihm als Long John Silver vorstellt. Er ist just derjenige, der im Auftrag von Trelawney Schiff und Besatzung für die Expedition zusammengestellt hat. In der Hafenkneipe „Spyglass“ lernen sie die Männer kennen, die umgehend Bekanntschaft mit dem prinzipientreuen Kapitän Smollett machen. Er wird verkörpert von Louis Stevensons Vater.

 

Kapitaen SmolletDer junge Schriftsteller macht sich einen Spaß daraus, die herrischen Wesenszüge seines Vaters auf den Kapitän zu übertragen. Die Wirklichkeit beim gemeinsamen Tee im Elternhaus sieht jedoch anders aus. Der Vater droht, ihn zu enterben, da er von der Liaison zu Fanny von seiner Gattin erfahren hat. Aus schlechtem Gewissen, weil sie das Geheimnis an ihn verraten hat, stellt sie Louis zwar Geld zur Verfügung, ein Brief von Fanny aber bringt für Louis schlechte Nachricht: Sie ist zurück nach Amerika gereist, um ihrer Ehe noch einmal eine Chance zu geben. Doch Louis ist nicht länger bereit, sein Leben von den Entscheidungen Anderer bestimmen zu lassen und beschließt, ihr hinterherzureisen. Er schifft sich auf der „Indiana“ nach New York ein und in der gleichen Bewegung übernimmt er diesen Schritt für seine Erzählung von der „Schatzinsel“ und betritt als Dr. Livesey die „Hispaniola“.

Das Abenteuer nimmt sowohl auf der realen wie auf der fiktiven Ebene seinen Lauf.

 

 

Zweiter Akt

SchiffDie Überfahrt zur „Schatzinsel“ ist in vollem Gang, doch die „Hispaniola“ gerät in einen Sturm. Gleichzeitig gerät auch die „Indiana“ auf ihrem Kurs nach New York – mit Louis Stevenson an Bord – in ein Unwetter. Es wird deutlich, dass sich die Erzählstränge parallel zueinander entwickeln. Long John Silver hat Jim Hawkins weiter in sein Vertrauen gezogen – auch deshalb, weil er die Schatzkarte in seinem Besitz weiß. Nachdem er Jim am wilden Treiben an Deck hat teilhaben lassen, bindet er ihn anschließend weiter an sich und verkörpert für ihn eine Vaterfigur, die weder Jim in der Erzählung der „Schatzinsel“ noch Lloyd in San Francisco hat, wohin dieser mit Fanny zurückgekehrt war. Dort hat sich die Illusion, die zerbrochene Familie wieder zusammenführen zu können, erneut zerschlagen, denn Lloyds Vater Sam hat die Familie wieder verlassen. Vergeblich versucht Fanny ihren Sohn zu trösten und leidet mit seinem Fernweh mit.

 

MeutereiAuf der „Hispaniola“ spitzen sich die Ereignisse indes zu. Ein Großteil der Mannschaft entpuppt sich als Flints alte Crew, die den Schatz zurückbekommen will, um den sich die Männer noch immer betrogen fühlen. Als die Insel in Sicht kommt, meutern die verkappten Piraten und schlagen das Kommando um Kapitän Smollett nieder. Ihn und Trelawney nehmen sie gefangen, müssen jedoch feststellen, dass Jim sich in dem Kampfgetümmel unentdeckt samt Karte in Richtung der Insel abgesetzt hat. Sie folgen ihm und lassen den angeschossenen Dr. Livesey an Bord zurück. Auch Louis Stevenson kommt in schlechtem Gesundheitszustand in New York an, setzt jedoch die Reise in Richtung San Francisco fort.

 

SanFranciscoIm Innenhof von Lloyds Zuhause in San Francisco verurteilen vier Nachbarinnen die aus ihrer Sicht verkommene Lebensart von Fanny, die sie aber insgeheim um ihren Freisinn beneiden. Als sie sich Lloyd mit geheucheltem Mitleid zuwenden, tritt überraschend Louis hinzu und verwirrt die Damen mit absichtlich vorgetäuschten Tatsachen, die er aus dem Stehgreif zusammen mit Lloyd erdichtet. Überschwänglich begrüßen sich beide, doch Fanny ist von seiner Ankunft konsterniert. Sie fühlt sich überrumpelt und ist von der Situation emotional überfordert, sodass sie ihn abweist. Für Louis tut sich damit ein Abgrund auf: Mitgenommen von den Strapazen der Reise, sieht er all seine Bemühungen ins Leere gehen. Halt findet er in dieser verzweifelten Situation nur im Schreiben und überträgt nun seinen Schmerz auf den Verlauf der Geschichte. Er selbst identifiziert sich nun mit der Figur von Ben Gunn, dem er zu Beginn im Traum begegnet ist, als der Küchenjunge von Flint niedergeschossen worden ist. Louis Stevenson übernimmt nun dessen Rolle, indem er den Erzählstrang so fortsetzt, dass Ben Gunn den Schuss überlebt hat und in Folge als Einsiedler auf der Insel geblieben ist. Nachdem seine ehemaligen Kameraden wieder dorthin zurückgekehrt sind, schwört er ihnen Rache.

 

BedrohungAngeführt vom jähzornigen Maat Israel Hands durchkämmen die Piraten vergeblich die Insel auf der Suche nach Jim Hawkins mitsamt der Schatzkarte. Erst als Silver den Richter Trelawney mit einem glühenden Holzscheit bedroht und dieser laut schreit, stellt sich Jim und händigt dem Piraten die Karte aus. Dafür trifft ihn die volle Verachtung des Jungen, der sich von Silver verraten fühlt.

 

 

HoehleDoch die Suche nach dem Schatz gestaltet sich als schwierig: Die verzeichnete Stelle besteht aus Felsgestein, in dem es unmöglich zu graben ist. Erst als Jim die Aufmerksamkeit auf einen verborgenen Höhleneingang lenkt, finden die Piraten an ihr Ziel. Der Ort scheint merkwürdig: Die Skelette der ehemaligen vier Mitstreiter sind zur Schau gestellt und plötzlich zeigt sich der totgeglaubte Ben Gunn den erschrockenen Männern. Als er in einem Felsloch den Schatz offenbart, stürzt sich zunächst Hands auf den Schatz, wird jedoch von Trelawney niedergeschossen, der einem der Piraten eine Pistole entrissen hat. Im gerade ausbrechenden Vulkan versinkt der habgierige Richter mitsamt dem Gold – und damit auch die Aussicht der Mannschaft auf ihre Beute. Ben Gunns Racheplan hingegen ist aufgegangen.

 

Fanny LouisNiedergeschlagen kehren die Männer auf die „Hispaniola“ zurück, wo Dr. Livesey sich von seiner Schussverletzung erholt hat. Als Smollett sich weigert, unter Silvers Kommando zurück nach England zu navigieren, lässt sich dieser freiwillig in Ketten legen und überzeugt den Kapitän damit, die Rückfahrt anzuleiten. Liveseys Fragen nach Jim bleiben jedoch unbeantwortet und er ruft nach ihm. Nun verschränken sich die Handlungsebenen, indem Fannys Sohn Lloyd auf den Kai in New York gelaufen kommt, wo der Schriftsteller Louis Stevenson gerade dabei ist, seine Rückreise nach England anzutreten. Fanny hat sich für ein Leben an seiner Seite entschieden und schifft sich zusammen mit ihm und Lloyd ein. Als Lloyd erfährt, dass in der Erzählung von der „Schatzinsel“ das Gold versunken ist, verlangt er von Louis, das Ende neu zu schreiben und die Geschichte gut enden zu lassen.

 

Zurück in Edinburgh soll Louis bei einem Empfang beim dortigen Bürgermeister geehrt werden, weil sein Roman „Die Schatzinsel“ inzwischen zum Welterfolg geworden ist. Doch dabei kommt es zum Eklat. Als Louis darauf hinweist, dass Lloyd für ihn eine wichtige Rolle bei der Entstehung der „Schatzinsel“ gespielt hat, echauffieren sich die versammelten Bürger über die vermeintlich unanständige Beziehung zu Fanny. Louis hält der Gesellschaft ihre Doppelmoral vor und verzichtet auf die Ehrung.

 

Sam OsbourneDieser Vorfall bestärkt ihn in seinem Entschluss, sich zusammen mit Fanny und Lloyd erneut einzuschiffen und die Freiheit in der Ferne zu suchen. Er verabschiedet sich von seinen Eltern und versöhnt sich mit seinem Vater, der seinen Erfolg anerkennt und ihm nun die Unabhängigkeit in seiner Lebensführung gewährt. Vor der Abfahrt verschafft er Lloyd noch die Gelegenheit, sich von seinem leiblichen Vater zu verabschieden. Es geht noch einmal auf die „Hispaniola“, wo Silver an Deck kommt und die Identität von Sam Osbourne annimmt. Auch hier versöhnen sich Vater und Sohn, und stellvertretend dafür schenkt der Junge in der Geschichte der „Schatzinsel“ Silver die Freiheit.

 

FamilienbildUnbeschwert von den Lasten der Vergangenheit können nun Louis, Fanny und Lloyd ihre gemeinsame Zukunft beginnen – wie die Piraten fahren sie hinaus auf die offene See.

 

Aufführungen
2018   Fulda



2016   Hameln
Brünn



2015    Fulda
     
 ca. 44.600 Besucher   in 76 Shows
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